Heute haben wir eine lange Tour vor. Wir wollen an die Barentssee nach Vadsø – und wieder zurück. Es ist -16° und leicht bewölkt – und Ostersamstag.
Ferien hat etwas mystisches, etwas zwanghaftes an sich. Alles muss gut sein. Es muss gut sein. Die Erinnerungen, die Fotos und die Erzählungen sind immer schön – geschönt – wie mit Photoshop bearbeitet.
In unseren Ferien gibt es immer mal Momente, die man am am liebsten aus dem Gedächtnis weghaben und gar nicht erlebt haben möchte. Manchmal sind das die Momente, die am hartnäckigsten in Erinnerung bleiben und manchmal kann man Jahre später darüber schmunzeln und ist dankbar, dass wenigstens dieser Moment, dieses Erlebnis auf der eigenen Festplatte im Kopf noch auffindbar ist. Heute gab es mal wieder solche Momente, einer als unser Auto – weil ich unbedingt ein Foto schiessen wollte – im Seitengraben landete und ohne Hilfe nicht mehr auf die Strasse zurückzubefördern war. Der Schnee war so pulvrig wie nie in der Schweiz. Doch die Norweger sind hilfsbereite Leute und zeigen gern, was für tolle starke Autos sie fahren, nur haben nicht alle – wir auch nicht – auch ein Abschleppseil dabei (ab der nächsten Tankstelle, hatten auch wir eines Kofferraum). Unser Retter schlussendlich, zog uns mit seinem coolen PW raus und war mächtig stolz – und wir mega dankbar. Es schaute sich an wie in einem Werbespot, so heftig ging er zugange, bis unser PW wieder festen Boden unter den Rädern hatte. Ich wette, er wusste nicht wie ihm geschah. Weitere Momente, die ich nicht zu brauchen glaube waren, wenn wir einfach weder ein Hotel noch ein Restaurant noch eine Toilette gefunden haben und angeschlagene Öffnungszeiten einfach nicht stimmten. Der Norden ist sehr dünn besiedelt und die Einwohner bleiben wohl viel lieber zuhause, das ist schwierig zu kapieren für Schweizer. Trotzdem es bitzeli an Touris dänke wäre schön gewesen.
Kein Wiener für ein Tier – sondern ein Wiener für einen Zehner 😉 an einer – Tankstelle in Vadsø der Haupt’stadt’ der Finnmark.
Vardø – Pforte zur Barentssee
Bis 1850 war Vardø nur als kleines Fischerdorf bekannt. Bis 1910 stieg die Bevölkerungszahl enorm und die Region um Vardø wurde schnell eine bekannte Einwanderungsprovinz. Durch die florierende Wirtschaft, die sich zum Beispiel im Pomorenhandel (vor allem bis zur russischen Revolution. Es handelt sich um Warentausch: Getreide aus Russland gegen Fisch aus Norwegen) und in der Fischerei zeigte, wurde der Umzug in diese Region zu einer Alternative zur Auswanderung in die USA.
Der Unterwassertunnel nach Vardøya, auf dem die Stadt Vardø liegt. Der Tunnel ist 2890 m lang, sein tiefster Punkt liegt 88 m unter der Wasseroberfläche.
Vardø liegt am östlichsten Zipfel der Varangerhalbinsel. Auf dem 31. Längengrad gelegen, liegt sie östlicher als Kiew in der Ukraine oder Kairo in Ägypten. Sie gehört zur arktischen Klimazone mit ihrem Permafrostboden. Das bedeutet, das neun Monate des Jahres die Durchschnittstemperatur nicht über +10° Celsius steigt.
Der Vogelfelsen der Insel Hornøy an der Barentssee.
Am Hafen. Vardø ist auch Anlegestelle der Hurtigrute.
Der Radarkomplex Globus II, Vardø spielte während des Kalten Krieges eine wichtige Rolle im Frühwarnsystem der NATO.
Blick auf Fischereistadt Vardø an der Barentssee mit den ca. 3000 Einwohnern.
Vardø war der letzte norwegische Zwischenhafen von Fridtjof Nansens Fram-Expedition an der sibirischen Nordküste entlang durch die Nordostpassage um 1837 und Zielhafen 1896 bei seiner Rückkehr vom knapp verfehlten Nordpol. Ich denke, dass ist ein Andenkenbild an ihn.
Die Tunnelausfahrt auf dem Festland.
Die Weiterfahrt an der Küste entlang nach Hamningberg ist nicht möglich. Die Strasse ist nicht geräumt.
Wir fahren die gleiche Strasse (es gibt nix anderes) zurück in unser Cabin in Nuorgam und stoppen noch beim Partisanmuseet in Kiberg (geschlossen). Ich recherchiere: das Museum ist den Partisanen des Ortes und der Finnmark gewidmet, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben für die Freiheit Norwegens riskierten und auch oft verloren. Nach über 55 Jahren wurde endlich ihre Tätigkeit als ehrenvoll anerkannt. Vor dem Krieg war die kommunistische Ideologie in Kiberg sehr verbreitet. Die Einwohner hatten enge Handelsbeziehungen zu Russland und es hatten sich auch einige Russen im Ort angesiedelt. Diese flohen zu Beginn der deutschen Besatzung in die Sowjetunion und kamen zum Teil mit U-Booten oder Fallschirmen als Partisanen in die Finnmark zurück. Viele deutsche Schiffe wurden nach wegen ihren Informationen versenkt.
Entweder zuhause geblieben oder nur im Sommer da’ So viel Schnee liegt.
Vardø hat die meisten Sturmtage im Jahr…
Wir treffen wieder auf ein Rudel Rentiere…
…in der Abendsonne schön ausgeleuchtet…
…und sogar auf einen Rotfuchs, der es sehr eilig hat.
Vadsø – Hauptstadt der Finnmark und ehemaliger Ausgangspunkt der Nordpolexpeditionen
Von Vadsø führten die Fahrten mit den Luftschiffen bis Ny-Ålesund auf Spitzbergen, von wo die berühmten Nordpolexpeditionen starteten.
An diesem Ankermast, der vom italienischen Luftfahrtsingineur Umberto Nobile errichtet wurde, legten die Luftschiffe Norge (Amundsen, Ellsworth, Nobile 1926) und Italia (Nobile 1928) jeweils einen Zwischenstopp ein, bevor sie von Ny-Ålesund aus zum Nordpol starteten.
Ein Kaffeehalt in Vadsø – nur die Tankstelle hat offen – !
Dafür ist die Abendstimmung bombastisch in der goldenen Stunde.
Es folgt die blaue Stunde mit stimmungsintensiven Farben.
So können wir Vadsø auch versöhnt hinter uns lassen…
…und geben die Hoffnung nicht auf, doch noch ein Restaurant für ein Abendessen zu finden. Wir finden – eine Pizzeria – in Varangerbotn. Der Pizzaiolo erzählt, dass sein Laden ein Bombengeschäft sei, da Norwegen am Entdecken des Schnellfoods sei (es geht sehr viel über den Ladentisch raus) und ‘sein’ Restaurant sehr verkehrsgünstig liege. Viele müssen zum Flughafen nach Alta oder zum Hauptort der Finnmark Vadsø und kämen hier vorbei. Tja – wählerisch sein liegt nicht drin.
